Feuilleton-General-Anzeiger, Oktober 2008

Getrennte Bildzonen

Der Maler Walter Kreutzberg irritiert in der Graphischen Werkstatt mit Raumillusionen

Von Angelika Storm-Rusche

Obwohl der Maler Walter Kreutzberg doch „nur“ mit Farbfeldern arbeitet und obwohl er in seinen Bildern auf eine individuelle Handschrift verzichtet, erzielt er unverwechselbare Effekte – letztlich von geradezu architektonischer Räumlichkeit. In seinen Acrylbildern auf Leinwand oder auf Leinenmalpapier wecken zunächst einzeln und dann übereinander gesetzte Farbflächen diese Raumillusion. Walter Kreutzberg schiebt beispielsweise ein kräftiges Grün mit der Farbwalze über die untere Bildfläche und überrollt es derart mit Violett, daß nur noch ausgefaserte Spuren von Grün am Rande sichtbar bleiben. Diesen Vorgang wiederholt er in der oberen linear abgetrennten Bildzone mit Rot und Orange. Auf manchen Bildgründen lassen sich mehrere solcher Farbüberlagerungen in geometrisch bestimmten Formvariationen erkennen. In ihre Mitte legt er ein meist weiß-gelbes Lichtband, das wie ein Fenster die unteren Farbschichten „öffnet“. Dieses Spiel treibt er mit Kontrasten so gut wie mit fast monochrom wirkenden Nuancen ein und derselben Farbe.

In einer zweiten Werkgruppe seiner Ausstellung „Farbschichtungen“ greift er zum Mittel der Collage von Farbfeldern. Was also in den Gemälden durch Schichtung Raumtiefe assoziiert, wird jetzt durch getrennt aufgelegte Farbflächen gleichsam wörtlich ins Bild gesetzt. Erneut stellt sich diese perspektivische Wirkung ein, die den Betrachter dazu verleitet, mit dem Blick oder gar mit der Hand die Schichten durchdringen zu wollen. In dieser geistreichen Irritation liegt der Reiz dieser ohnehin ästhetisch ansprechenden Bilder.

Copernicus Graphische Werkstatt
Alfterer Straße 147, 53347 Alfter

Feuilleton-General-Anzeiger, Juni 2009

Wenn die Farbe glüht

Walter Kreutzbergs Bilder im Gärtnerhaus

Von Christina zu Mecklenburg

Das warme Aufglühen sinnenbetörender Farben und mosaikverwandte Konstruktionen erinnern an Kirchenfenster. Das wäre eine der ersten Assoziationen, die Walter Kreutzbergs „Farbschichtungen“ hervorrufen. Gleichzeitig leuchten in den konzentrierten Bildplänen von Gemälden, Collagen und Lithografien weitere Qualitätssignale durch: kompositorische Souveränität und kunsthistorische Horizonte. Dieses Profil untermauert auch ein kleiner, aber feiner Katalog.

Der 1943 in Mechernich/Eifel geborene Künstler absolvierte zunächst die Glasfachschule Rheinbach, bevor er in sein Schwerpunktstudium bei dem Kandinsky- und Kleeschüler G. Kadow und dem Bildhauer Hans Joachim Albrecht einstieg. Aus dem Grafikdesigner wird ab 1994 der Maler und Collagenexperimentator Kreutzberg. Bald zum Stammgast der Kölner Galerie Wilbrand avanciert, ist der mittlerweile in Alfter lebende Künstler mehrfach präsent bei führenden Kunstmessen.

Aus groben Bildvorstellungen entwickeln sich mit der Rolle aufgetragene Partituren, deren Schichtungen das „Kernmotiv Farbe“, die Pole Licht und Schatten auffächern. Die Facettierung des Farbenrepertoires vollzieht sich in scharfkantigen, vielfach asymmetrischen Blöcken sowie auch in malerischen, pulvrig auslaufenden Farbbahnen. Das ästhetische Herzstück dieser Arbeiten bilden schmale Farbstreifen.

Kurfürstliches Gärtnerhaus,
Beethovenplatz, Bonn
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen

Rundschau, Februar 2011

Geometrische Bilder in Perfektion

Kunstraum Bad Honnef zeigt Malerei und Collagen von Walter Kreutzberg

Von Dr. Heidrun Wirth

Man muss schon genau hinschauen, um unterscheiden zu können, ob diese farbigen geometrischen Bilder von Walter Kreutzberg – derzeit im Kunstraum Bad Honnef – als Malerei oder als Collagen aus aufgeklebten Flächen oder gar als Linolschnitte in einer kleinen Auflage entstanden sind. Größe, Komposition und Ausstrahlung der tiefen, leuchtenden Farben wirken ganz ähnlich. Alles scheint in gleichbleibend ruhiger Präzision entstanden zu sein.

Die Farbflächen sind exakt voneinander abgesetzt, bei den Collagen durch den Schnitt, bei der Malerei durch Abkleben und durch den gleichmäßigen Gebrauch einer Auftragsrolle. Die Farbflächen überlagern sich, in der Mitte leuchtet bisweilen aber ein unberührtes Weiß auf. Es ist der Blattgrund selbst.

So liegt etwas vom Lichtgehalt alter Glasfenster in den Arbeiten. Tatsächlich hat der 1943 in Mechernich in der Eifel geborene Künstler, der heute in Eichenbach bei Bad Neuenahr arbeitet, zunächst die Glasfachschule in Rheinbach besucht. Dann schloss er ein Grafik-Studium an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld an. Lange Jahre arbeitete Kreutzberg als Grafik-Designer, und die Präzision und Klarheit seiner Blätter sind wohl dadurch geprägt.

Die mit der Rolle aufgetragenen Acrylfarben werden in mehreren Schichten übereinander gelegt, so dass die Farben mit Tiefe aufgeladen scheinen. Zum Rand hin rollen sie langsam und natürlich aus, das heißt, ohne klar geschnittene (geometrische) Flächigkeit. Hier liegt die einzige „persönliche“ Note des Künstlers, denn ansonsten ist in dieser Perfektion kein handschriftlicher Duktus erkennbar. Walter Kreutzberg wird in Köln vertreten von der renommierten Galerie Wilbrand, die sich auf konstruktive Kunst spezialisiert hat.